Viertes Spiel – Christophe mit Medieval French

Die letzte Runde am Sonntag Nachmittag war die einzige, die nach Schweizer System gesetzt wurde. Sie brachte mir Christophe mit Medieval French. Ich hatte also in der letzten Partie die gleiche Armee gegen mich wie in der ersten. Christophe kannte ich schon aus
dem letzten Jahr, auch damals waren wir im letzten Spiel aufeinander getroffen, mit positivem Ausgang für mich. Er hatte also noch Hühnchen mit mir zu rupfen :D.
Im Gegensatz zu Anthony im ersten Spiel bemühte sich Christophe darum, den Tisch mit Gelände dicht zu machen. Tatsächlich blieben drei Felder in seiner Tischhälfte liegen. Eines an einer Küste
links, eines etwas weiter rechts davon und ein drittes (nach einer großen, geländefreien Lücke) an der rechten Tischkante. Alle Felder lagen unangenehm weit vorne, so dass sie sich ideal für
eventuelle Medium Foot mit Fernwaffen eigneten. Natürlich hatte Christophe die passenden Truppen dabei, nämlich wieder ein verbündetes Kontingent Schotten mit zwei BGs Langbogenschützen und der
minimal großen Vierereinheit abgesessener Ritter.
Hatte ich mich im dritten Spiel noch über meine Lernfähigkeit gefreut, weil ich nicht wie im zweiten Spiel mit meinen Rittern ins leere lief, musste ich diesmal einsehen, dass Lernen eben ein mühseliger Prozess ist, der manchmal von Rückschlägen begleitet ist. Ich wollte das Gelände vermeiden und die Schlacht im offenen Teil des Tisches suchen. Christophe stellte dort auch zunächst seinen Mob hin. Den würde er schon nicht alleine lassen, dachte ich mir. Mein Plan sah also vor mit den Rittern durch die große Lücke zwischen den Feldern vorzumarschieren. Links davon sollten die Piken am zentralen Feld vorbei vorrücken um den Rittern die Flanke zu decken. Die Flanke der Piken wiederum sollte von zwei Einheiten Levy geschützt werden, die an das Feld heranrücken, aber nur im Notfall auch dort hineingehen sollten. Ich hatte nun mal keine Geländetruppen dabei, aber so hoffte ich, gegnerische Einheiten im Gelände im Zweifelsfall ausmanövrieren zu können. Rechts der Ritter stand noch eine Levy, auch hier um im Zweifelsfall gegen Infanterie decken zu können.

Leider spielte Christophe bei meinem Plan nicht mit. Nach dem Mob stellte er die Langbogenschützen, die das zentrale Feld nehmen sollten. Rechts davon, also dort wo ich kämpfen wollte, eine
Einheit 8er-Hellebardiere und schließlich eine Einheit Ritter, eine Light Foot davor. Soweit, so gut, aber dann setzte er seine Ritter an die Küste ins Feld, unterstützt von einer weiteren
Einheit Langbogenschützen. Gute Idee, das muss ihm der Neid lassen, zumal ich nichts mehr hatte, was ich dagegen stellen konnte, denn meine Ritter waren schon angetreten. Alles was ich noch tun
konnte war, die französischen Ritter zu verzögern. Alles, was mir dafür zur Verfügung stand, war meine Kavallerie. Gedacht, getan, die Kavallerie sollte seine Ritter plänkelnd ausbremsen während
meine Ritter im wesentlichen ihren Plan verfolgen und vorstürmen sollten, aber halt mit eine Schwenk nach links. Eine Rittereinheit zog ich aber ab. Sie soll meine Levy unterstützen, die das
zentrale Feld bewachte, um dort einen Durchbruch der Franzosen zu verhindern.
Der Plan mit der Kavallerie war ja schon einmal schief gegangen, aber diesmal standen die Karten wirklich schlecht, dank der die gegnerischen Ritter flankierenden Schützen. Das kann trotzdem
eine Weile gutgehen, und mehr als Verzögern war ja nicht gefordert. Eine Einheit (die zentralere) wird mir prompt auch erschossen, die andere macht Ihren Job und zieht sich im großen Bogen
zurück. Leider sind die Franzosen verdammt schnell. Meine zur Unterstützung herangezogene Rittereinheit sieht keinen anderen Weg als sich mit zwei Einheiten gleichzeitig anzulegen, einer Einheit
Ritter und einer Langbogenschützen. Sie überlebt das nicht und ich habe schon vier Punkte verloren.
Die rechte Flanke (also das, was das Zentrum hätte sein sollen) läuft besser, aber zu langsam. Das sie sich zu langsam entwickelt hat Christophe durch ein mutiges Manöver erreicht. Er zog nämlich
zu Beginn den Mob nach vorne. Damit verhindern diese ungewaschenen und kampfesunwilligen Bauern Doppelzüge meiner Ritter und bremsen mich enorm aus. Als ich zu nahe komme drehen sie sich um (im
Gegensatz zu Anthony im ersten Spiel hatte Christophe daran gedacht, sie von einem General betreuen zu lassen) und ziehen wieder weg. Da sich der Mob genauso schnell bewegt wie meine Ritter kann
ich ihn auch nicht fangen. Das war so clever, dass ich dem Mob fast (aber nur fast) ein besseres Schicksal gewünscht hätte. Christophe macht nämlich einen Fehler: er schwenkt den Mob. Damit
verliert er aber, relativ zu meinen gerade vorrückenden Rittern, an Bewegung. So kann ich den Mob stellen und besiegen. Die französische Rittereinheit daneben hatte nun ebenfalls einen schweren
Tag, denn sie hat nun eine meiner Ritter-BGs vor sich und die zweite Einheit (die gerade den Mob verprügelt hatte) in der Flanke. Ok, die Ritter in der Flanke werden vorher noch von
Armbrustschützen angeschossen und sind gedroppt, aber in der Flanke, was kümmert es mich?

Naja, die französischen Ritter sind zäh und wollen einfach nicht aufgeben. Zwei Runden später verliert meine Einheit in der Flanke eine Base. In der nächsten Runde droppen sie noch mal, eine
weitere Runde später fliehen sie schließlich. Lohnt es zu erwähnen, dass ich einen General zur Einheit gestellt und mehrere Chancen hatte, ihre Moral wieder zu heben? Nichts zu machen, sie
wollten einfach nicht und lieferten lieber den fünften und sechsten Punkt an meinen Gegner.
Am Rande des Feldes waren meine Piken planmäßig vorgerückt, schon alleine um die Ritter nicht alleine zu lassen. Leider musste ich sie dabei trennen, um keine Flanken vor den schottischen
Langbogenschützen zu entblößen. Die vordere Einheit kam in Attackenreichweite zu der Hellebardiereinheit, die zwischen den Schotten und den Rittern stand. Sie hätten noch etwas warten sollen. Die
französischen Ritter kämpften schließlich gegen zwei meiner Einheiten und würden sicher besiegt werden (dachte ich da noch). Dann könnten sich meine Ritter und die Piken zusammen mit den
Hellebardieren befassen. Aber nein, die Piken sind übereifrig und werfen sich alleine in den Feind. Sie verlieren schon den Impact, in dem sie noch besser sind, und sterben schließlich innerhalb
zweier Runden. Die Franzosen treffen in der Verfolgung auf meine zweite Einheit Piken, die es ihren Freunden nachmacht. Jetzt habe ich zehn Punkte verloren und genau dort, wo meine Aufstellungen
einen Winkel bilden musste um das Feld zu vermeiden, ein Loch.
Immerhin, an der linken Flanke haben es meine Levies geschafft, nach Abgang der Ritter eine der schottischen Langbogenschützen-BGs durch Beschuss zu droppen. Da die Schotten im Offenen stehen, wo
sie wahrlich nicht hingehören, lasse ich mich nicht zweimal bitten und greife an. Ich besiege die Schotten (schön), lande dann aber in der Verfolgung in einer Einheit Ritter (unschön). Meine Levy
droppt im Impact und ein weiteres mal im Melee. Das war der elfte Punkt, Christophe hat gewonnen, und zwar zurecht, wie ich leider zugeben muss.
Damit hatte ich zwei Spiele verloren und zwei Spiele gewonnen. Da meine Siege etwas höher waren als die Niederlagen und jedes Spiel zum Armyrout führte landete ich damit immerhin noch auf Platz
sieben von zwanzig. Trotzdem bleibt die Erkenntnis, dass ich mit meiner überhastet zusammengestrickten Aufstellung nicht wirklich gut klar kam und ich mich zudem zweimal völlig unnötig
ausmanövrieren lies. Ansonsten hatte ich vier sehr angenehme Spiele mit wirklich netten Mitspielern. Spannend sind vor allem die unterschiedlichen Spielweisen, die andere Armeen und Taktiken. Ich
kann nur jedem empfehlen, international zu spielen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Wir sehen uns auf der German Open.
Fotos
Abschließend noch ein paar weitere Fotos von der Veranstaltung.
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